Großraumtriebwagen

 

Um den veralteten, durch Krieg und Nachkriegszeit verschlissenen Wagenpark zu ersetzen, beschafften die Verkehrsbetriebe neue Wagentypen. Diese wurden nach VÖV-Richtlinien als vierachsige Straßenbahn-Großraumwagen gestaltet. Da die Düsseldorfer Waggonfabrik AG (DÜWAG) neuartige Triebdrehgestelle mit Tandemantrieb baute, entschied man sich, die Wagenkästen und die Triebdrehgestelle getrennt zu bestellen. Der Wagenkasten der Waggonfabrik AG Rastatt konnte als Einrichtungswagen mit Fahrgastfluss und sitzenden Schaffner im Heck gebaut werden, da genügend Wendeschleifen vorhanden oder geplant waren. Von den 23 gebauten Triebwagen wurden 15 mit einer Breite von 2,20 m und 8 mit einer Breite von 2,40 m (Breitraum) geliefert.

 

Großraumtriebwagen / Feinstufer

 

Die Großraumwagen waren im damals fortschrittlichen Design gestaltet. Durch die Stromlinienform mit der glatten Außenwand, breiten Fenstern mit schmalen Stegen und der geneigten Stirnwand mit übereinander angeordneten Scheinwerfern wirken die Wagen schlanker und elegant. Die fortschrittliche, von Brown Boveri & Cie. AG, Mannheim (BBC) weiter entwickelte, Feinstufersteuerung ermöglicht ein ruckfreies Anfahren und Bremsen. Dadurch erhielten die Wagen auch den Namen »Feinstufer«.
Ab 1954 setzen die Verkehrsbetriebe die ersten sieben Großraumtriebwagen und zwei Großraumbeiwagen ein. Da sich die Wagen bewährten, schaffte der Betrieb 1955/1956 weitere acht Triebwagen an. Die Triebwagen setzte man seit 1954 teilweise mit zweiachsigem Beiwagen, meist mit modernisierten Stahlumbauwagen ein.
Bereits 1977 wurden die ersten Feinstufer ausgemustert, um Ausrüstungsteile für den Bau der Gelenktriebwagen der 7. Serie zu gewinnen. 1981 endete der Linieneinsatz der verbliebenen Wagen.

 



Großraumtriebwagen / Breitraum elektropneumatisch gesteuert

 

Die Stadt Karlsruhe plante die Übernahme und Umspurung der meterspurigen Albtalbahn sowie deren Einbindung in das normalspurige Straßenbahnnetz. Deshalb sollten die neuen Wagen nach EBO zugelassen und zugverbandsfähig sein. Da die in den Großraumwagen genutzte BBC-Feinstufersteuerung für Zugverbandsbetrieb, trotz Herstellerangabe nicht erweiterbar war, entschied sich der Betrieb für eine elektropneumatische Schützensteuerung. Bei dieser Technik steuert man durch den Fahrschalter mit 24 V Steuerspannung über Druckluftschütze die Fahr- und Bremswiderstände an. Bei Zugverbänden werden die Befehle vom Fahrschalter über die Elektroaufsätze der Kupplungen an die nachfolgenden Wagen übertragen und dort an den Druckluftschützen umgesetzt. Bis zu fünf Wagen können dadurch vom Bug- oder Heckführerstand aus gesteuert werden.
Der Wagenkasten wurde nach dem Vorbild der Großraumwagen, jedoch mit einer neuen Breite von 2,40 m gebaut. Daher erhielt die neue Wagenserie die Bezeichnung »Breitraumwagen«. Durch den breiteren Wagenkasten und das Dreilicht-Spitzensignal wirkt der Wagen wesentlich größer als die bisherigen Großraumwagen.
Die Breitraumwagen wurden in der Anfangszeit derAVG auf der Linie »A« eingesetzt, meistens mit zweiachsigem Beiwagen, bis die Gelenktriebwagen der AVG verfügbar waren. Im Stadtnetz fuhren die Wagen auf fahrgaststarken Linien. Die 1961 gelieferten Breitraumbeiwagen ersetzten die zweiachsigen Beiwagen hinter den Breitraumtriebwagen.
Der Linieneinsatz endete 1984 mit der Übernahme der AVG-Gelenktriebwagen auf die Stadtlinien.

 



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Datensammlung Wagenpark TSNV e.V. erstellt durch Susanne Heller und Volker Dürr, Stand: 01.04.2015