Gelenktriebwagen Überland

Die meterspurige Albtalbahn endet kurz nach Verlegung des Karlsruher Hauptbahnhofs an seine heutige Stelle, am Albtalbahnhof. Um die meisten Ziele in Karlsruhe zu erreichen, mussten die Fahrgäste in die normalspurige Straßenbahn umsteigen. Da der Eigentümer der Albtalbahn, die Deutsche Eisenbahn Betriebs Gesellschaft (DEBG), in der Kriegs- und Nachkriegszeit wenig in die Fahrzeuge und Gleisanlagen investierte, mussten diese dringend erneuert bzw. saniert werden.
In einer Denkschrift der Stadt Karlsruhe wurden alle machbaren Varianten zur Modernisierung verglichen. Die zukunftsweisende Lösung war die Umspurung auf Normalspur mit der Verknüpfung zum Straßenbahnnetz am Albtalbahnhof sowie der Betrieb mit modernen vierachsigen Straßenbahngroßraumzügen. Ab Ettlingen in Richtung Albtal sollte die Strecke von Eisenbahnfahrzeugen mit Diesel oder Dampf mitbenutzt werden. Da der Eigentümer kein Interesse an dieser Lösung hatte, gründete die Stadt Karlsruhe im Jahr 1957 die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft für den Eisenbahnbetrieb.
Zu dieser Zeit wurde in Deutschland ein neuer Wagentyp entwickelt. Die AVG entschied sich für diesen neuen sechs- bzw. achtachsigen Gelenktriebwagen mit Jakobsdrehgestellen. Entsprechend der befahrenen Linie müssen die Wagen nach BOStrab und Fahrdienstvorschrift NE zugelassen sein. Um die Fahrgastkapazität der langen Eisenbahnzüge im Berufs- und Ausflugsverkehr zu erreichen, sind bis zu fünf Triebwagen im Zugverband erforderlich.
Bis zum Eintreffen der eigenen Wagen übernahmen neue VBK-Breitraumwagen mit älteren zweiachsigen Beiwagen den Betrieb auf der bis 1958 umgespurten Strecke nach Rüppurr. Die Erstausstattung der Überlandlinie Karlsruhe, Marktplatz - Herrenalb bestand aus sieben Achtachsern von der Düsseldorfer Waggonfabrik AG und acht Sechsachsern von der einheimischen Waggonfabrik AG Rastatt, die als Einrichtungswagen mit Fahrgastfluss und festem Schaffnerplatz im Heck zwischen 1958 und 1960 geliefert wurden. Aufgrund steigender Fahrgastzahlen verlängerte man die Sechsachser zu Achtachsern.
1966 mit der Eröffnung der Überlandstrecke von Busenbach nach Langensteinbach beschaffte die AVG drei weitere Achtachser von der DÜWAG und durch Fahrgastzuwächse nochmals drei Achtachser in den Jahren 1967, 1969 für Einmannbetrieb vom gleichen Hersteller.
Für die Verlängerung der Langensteinbacher Strecke nach Ittersbach waren 1975 weitere vier Wagen erforderlich. Diese wurden von der Waggon Union im neuen Design, jedoch mit alter E-Technik zur Zugverbandsbildung geliefert.
Zwischen 1983 und 1987 wurden die Wagen durch Stadtbahnwagen abgelöst. Im Stadtnetz setzten die Verkehrsbetriebe die Wagen, bis auf die letzte Serie, bis 2003 ein.

Gelenktriebwagen Standardform elektropneumatisch gesteuert

Zur Zugverbandsbildung auf den Überlandstrecken erhielten die Wagen eine elektropneumatische Schützensteuerung. Diese war bereits für die Breitraumwagen der VBK bestellt. Auch die VBK-Gelenktriebwagen der 1. Serie erhielten diese Steuerung, um an Ausflugswochenenden die Überlandzüge zu verstärken.

Die einheimische Firma Brown Boveri & Cie. AG, Mannheim und die Firma Theodor Kiepe, Düsseldorf bekamen die Teilaufträge für die Elektroausrüstung beider Wagentypen der Erstausstattung der AVG. So waren die Wagen innerhalb einer Wagenserie der beiden Waggonbaufabriken mit unterschiedlicher Elektroausstattung von zwei Firmen ausgerüstet. Die folgenden Wagenserien erhielten die E-Ausrüstung von der Firma Theodor Kiepe.

Bei der elektropneumatischen Schützensteuerung steuert man durch den Fahrschalter mit 24 V Steuerspannung über Druckluftschütze die Fahr- und Bremswiderstände an. Bei Zugverbänden werden die Befehle vom Fahrschalter über die Elektroaufsätze der Kupplungen an die nachfolgenden Wagen übertragen und dort an den Druckluftschützen umgesetzt. Bis zu fünf Wagen können dadurch vom Bug- oder Heckführerstand aus gesteuert werden.



Gelenktriebwagen »Badewanne« elektropneumatisch gesteuert

Mit der Streckeneröffnung von Langensteinbach über Spielberg nach Ittersbach beschaffte die AVG im Jahr 1975 vier achtachsige Gelenktriebwagen von der Waggon Union in neuen Design und neu konstruierten Drehgestellen. Damit der Einsatz im Zugverband mit den vorhandenen Wagen möglich war, musste die herkömmliche elektropneumatische Schützensteuerung eingebaut werden. Neu war die Bestuhlung in Abteilform. Durch die vertieften Armauflagen in der Seitenwandverkleidung erhielten die Wagen den Spitznamen »Badewanne«.



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Datensammlung Wagenpark TSNV e.V. erstellt durch Susanne Heller und Volker Dürr, Stand: 01.04.2015